Strafanzeige gegen Verantwortliche der WGF AG bereits 2011 gestellt!

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2011 hat ein ehemaliger leitender Mitarbeiter der WGF AG, der sich DSKP anvertraut hatte, mit Unterstützung von DSKP Strafanzeige erstattet gegen Verantwortliche der WGF AG. In dieser Strafanzeige wurden weitere Zeugen benannt.

In dieser Strafanzeige wurde – neben zahlreichen anderen Vorwürfen – auch ein Vorgang zur Anzeige gebracht, den nunmehr der Insolvenzverwalter Dr. Biner Bähr in seinem Insolvenzbericht vom 30.05.2016 ebenfalls aufgedeckt hat. Wir hatten an dieser Stelle am 17.06.2016 bereits darüber berichtet. Laut Ermittlungen des Insolvenzverwalters Dr. Bähr sei es bei der WGF AG seit 2009 verstärkt zum Unterlaufen der Anleihebedingungen gekommen, indem aus sogenannten gebundenen Mitteln Mittel zur freien Verfügung der WGF AG unter anderem zur Bezahlung laufender Kosten und damit zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs gemacht wurden.

Der Zeuge berichtet in seiner Strafanzeige, dass ihm 2009 von Pino Sergio eine nach seiner Meinung manipulierte Rechnung der Tochtergesellschaft der WGF AG Ilse Bau und Planung GmbH vorgelegt worden sei mit der Bitte, diese zu unterzeichnen. Das zu tun habe er abgelehnt. Offensichtlich sei die Rechnung dann aber von jemand anderem unterschrieben worden. Die Rechnung habe nach Meinung des Zeugen dazu gedient, Zahlungen aus gebundenen Mitteln an die Ilse Bau und Planung GmbH zu ermöglichen als A-Konto-Zahlung für die Durchführung von Umbaumaßnahmen.

In der Strafanzeige wird der Vorwurf erhoben, dass die Rechnung gegenüber der Ilse Bau und Planung GmbH bezahlt, der Rechnungsbetrag von dieser aber nicht zweckentsprechend verbraucht, sondern an die WGF AG als Darlehen ausgereicht worden sei. Die Strafanzeige belegt ferner, dass im Jahr 2009 von der Ilse Bau und Planung GmbH insgesamt 3,9 Mio. € an die WGF AG als Darlehen vergeben worden seien, was die WGF AG als Verbindlichkeit gegenüber verbundenen Unternehmen ausweislich des Jahresabschlusses zum 31.12.2009, dort S. 1, bilanziert habe.

In seinem Insolvenzverwalter-Bericht vom 30.05.2016 beschreibt der Insolvenzverwalter Dr. Bähr auf S. 22 beispielhaft unter der Überschrift „Zweckwidrige Verwendung gebundener Mittel“ einen vergleichbaren Vorgang im Jahre 2011 im Zusammenhang mit der Tochtergesellschaft der WGF AG Apartmenthaus Stuttgart Talstraße GmbH & Co. KG. Hier habe die Apartmenthaus Stuttgart Talstraße GmbH & Co. KG, die zuvor von ihrer Muttergesellschaft, der WGF AG, ein Darlehen in Höhe von 3,6 Mio. € aus gebundenen Mitteln erhalten hätte, auf vier Abschlagsrechnungen der Ilse Bau und Planung GmbH insgesamt 2,8 Mio. € an ihre Schwestergesellschaft, eben die Ilse Bau und Planung GmbH, überwiesen. Die im Voraus bezahlten Planungs- und Bauleistungen seien dann aber, so Insolvenzverwalter Dr. Bähr, in der Folge offenbar nicht wie vertraglich geschuldet erbracht worden.

In seinem mündlichen Bericht am 10.06.2016 beim Insolvenzgericht Düsseldorf ergänzte der Insolvenzverwalter Dr. Bähr auf die konkrete Frage von DSKP hin seine schriftlichen Ausführungen, indem er ausführte, die WGF AG habe das Geld der Tochter mit dem Ziel „entwickle die Immobilie“ als Darlehen gegeben. Die Tochtergesellschaft habe sodann die Ilse Bau beauftragt, die dann mit der Projektierung beauftragt gewesen sei. Die Ilse Bau habe aber praktisch nichts gemacht und stattdessen die Gelder als Darlehen weitergeleitet (zurückgeleitet, der Unterzeichner) an die WGF AG. Dies hätte zur Folge gehabt, dass die ehemals gebundenen Mittel „gewaschen“ und damit freie geworden seien.

DSKP hatte bereits im Beitrag auf dieser Seite vom 17.06.2016, gestützt auf die Ausführungen von Herrn Insolvenzverwalter Dr. Bähr, anhand der Wertberichtigungen in den Jahren 2009 bis 2011 den durch solche Vorgehensweisen der WGF AG zulasten der Anleihegläubiger entstandenen Schaden auf möglicherweise bis zu 40 Mio. Euro geschätzt.

Es sei der Vollständigkeit halber darauf hingewiesen, dass in der Strafanzeige aus 2011 auch bereits auf die nach der schon damaligen Auffassung der Anzeigeerstatter rechtswidrige Darlehensvergabe an die Gefinius AG (Schweiz, Schaffhausen, alleinige Eigentümer der Aktien Ex-Vorstand Pino Sergio und Ex-Aufsichtsrat Hans-Gerd Bullhorst – siehe unser Beitrag vom 17.06.2016) hingewiesen wurde. Auch diese Darlehenspraxis ist heute Gegenstand des Berichts des Insolvenzverwalters Dr. Bähr in dessen Bericht vom 30.05.2016

Die Frage, warum der 2011 angezeigte Vorgang nicht bereits damals zu einer intensiven Strafverfolgung gegenüber den Verantwortlichen der WGF AG geführt hat, vermag DSKP nicht zu beantworten.

 


Klaus Dittke

Klaus Dittke wurde 1955 in Düsseldorf geboren und studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten München und Köln. Er ist Rechtsanwalt seit 1986 und Gründer der Kanzlei mit der Spezialisierung auf Kapitalanlagerecht.

Sie haben Fragen? Wir helfen gerne!